Donnerstag, 27. Juni 2013

Allgemeine Bauernregeln Dezember

December. 

  • December kalt mit Schnee, — Giebt Korn auf jeder Höh. 
  • Kalter December mit vielem Schnee verheißt ein fruchtreiches Jahr. 
  • Dunkler December deutet auf ein gutes Jahr. 
  • Wie der December, so der kommende Juni. 
  • December veränderlich und lind, — Ist der ganze Winter ein Kind. 
  • Im December trocken und eingefroren, macht, daß der Weinstock mehr Kälte als ein Fichtenbaum vertragen kann. 
  • Donner im Winter-Quartal, — Bringt uns Kälte ohne Zahl. 
  • Wenn es in der Christnacht schneit, so hofft man eine gute Hopfen ernte im nächsten Jahre. 
  • Ist das Wetter um Weihnachten gelinde, so dauert die Kälte gewöhnlich lange in's Frühjahr hinein. 
  • Hangt zu Weihnachten Eis an den Weiden , — Kannst zu Ostern Palmen schneiden. 
  • Grüne Weihnachten, — Weiße Ostern. 
  • Grünen am Christtag Feld und Wiesen , — Wird sie zu Ostern Frost verschließen. 
  • Bläst der Wind am Stephanitag (26. Dec.) recht, — So wird der Wein im nächsten Jahre schlecht. 
  • Ist es windig an den Weihnachtstagen , — So sollen die Bäume viel Früchte tragen. 
  • Wenn's von Weihnacht bis heilige drei Könige nebelig und dunkel ist, werden viel Krankheiten im Jahre sein. 
  • Die zwölf Nächte von Christnacht bis Heiligen drei Könige sollen die Witterung der kommenden zwölf Monate andeuten.

Allgemeine Bauernregeln November

November. 

  • Wenn im November die Wasser steigen , — So werden sie sich im ganzen Winter zeigen. 
  • Wie der November, so der darauf folgende Mai. 
  • Wie viele Tage vom ersten Schnee bis zum Neumonde fallen, so oft soll im Winter das Wetter aufthauen. 
  • Steckt Allerheiligen in einer Pudelmütze , — So ist dem heiligen Martin der Pelz nichts nütze. 
  • Bringt Allerheiligen einen Winter, — So bringt Martini einen Sommer. 
  • Ist am Allerheiligen der Buchenspan trocken, — Wir im Winter gern hinter dem Ofen hocken ; — Ist aber der Span naß und nicht leicht, — So wird der Winter, statt trocken, recht feucht. 
  • Wenn der Span von einer um Allerheiligen angehauenen Birke trocken ist, so soll ein harter Winter folgen, ist er aber naß, ein milder. 
  • Kommt St. Martin (11. November) mit Winterkält', — Ist's gut, wenn bald ein Schnee einfällt; — Man hat ihn lieber dürr als naß, — So hält sich's auch mit Andreas. 
  • Wenn das Laub von Bäumen und Reben nicht vor Martini abfällt, ist ein kalter Winter zu hoffen. 
  • Am Martini Sonnenschein, — Tritt ein kalter Winter ein. 
  • Ist's um Martini nicht trocken und kalt, — Im Winter die Kälte nie lange anhalt't.
  • St. Martin, — Feuer im Kamin. 
  • Wenn das Brustbein an der gebratenen Martinsgans braun ist, so soll es mehr Schnee als Kälte bedeuten; wenn es aber weiß ist, mehr Kälte als Schnee. 
  • Wenn die Gänse um Martini auf dem Eise stehen, — So müssen sie um Weihnachten im Kothe gehen. 
  • Wenn auf Martini Nebel sind, — So wird der Winter meist gelind. 
  • Wie's um Eatharina (25. Nov.) trüb oder rein, — So wird auch der nächste Hornung sein. 
  • Catharinen- Winter, — Ein Plack-Winter. 
  • Der Andreas - Schnee , — Thut dem Korne weh.

Allgemeine Bauernregeln Oktober

October. 

  • Bringt der October viel Frost und Wind , — So sind der Januar und Hornung gelind. 
  • Warmer October, kalter Februar. 
  • Wenn's im October friert und schneit , — Bringt der Jänner milde Zeit; — Wenn's aber donnert und wetterleuchtet, — Der Winter dem April an Launen gleichet. 
  • Ist der October kalt und rauh, dann ist der Marz mild; ist der October aber mild, dann kann ein kalter oder milder März folgen. 
  • Regnet es am St. Gallustag nicht, — Es dem nächsten Frühjahr auch an Regen gebricht. 
  • Fällt das Laub zeitig von den Bäumen , so ist ein schöner Herbst und gelinder Winter zu erwarten; bleibt es bis in den November hinein sitzen, so steht ein langer Winter bevor. 
  • Wenn die Vögel und Dachse im October sehr fett sind, so erwartet man einen sehr kalten Winter. 
  • Bleibt im October das Laub nahe am Stamme liegen , so folgt ein fruchtbares Jahr. 
  • Ist der October kalt, so hat das nächste Jahr wenig Raupen. 
  • Viel Frost und Schnee im October lassen einen unbeständigen Winter erwarten und sind selten erwünscht. 
  • Viel Regen im October, viele Winde im December. 
  • Sitzt im October das Laub noch fest auf den Bäumen, so deutet dies auf einen strengen Winter. 
  • Wie's im October wittert, so im nächsten April. 
  • Warmer October bringt kalten Februar. 
  • Wenn St. Gallus die Butten trägt, — Für den Wein dann ein schlecht Zeichen schlägt. 
  • Auf St. Gall, — Bleibt die Kuh im Stall. 
  • St. Gallen , — Läßt den Schnee fallen. 
  • Auf St. Gallentag, — Muß jeder Apfel in Sack. 
  • Regen am Ende October verkündet ein fruchtbares Jahr.

Allgemeine Bauernregeln September

September. 


  • Der September entspricht dem März, wie Juni dem December.
  •  Gewitter in der zweiten Hälfte des Septembers bringen starke Winde. 
  • Nach September - Gewittern , — Wird man im Hornung vor Schnee und Kälte zittern. 
  • Gewitter im September deuten auf reichlichen Schnee im Februar oder März, und auf ein gutes Kornjahr. 
  • Am Septemberregen, — Ist dem Bauer viel gelegen. 
  • Septemberregen, — Kommt Saat und Reben gelegen. 
  • Auf warmen Herbst folgt meist langer Winter. 
  • Späte Rosen im Garten (etwa noch im September u. s. w.) deuten auf schönen Herbst und gelinden Winter. 
  • Viel Disteln von der großköpfigen Sorte verheißen einen schönen Herbst.
  • Ist's am ersten September hübsch, rein, — Wird's den ganzen Monat schön sein. 
  • Ist Egidi ein heller Tag, — Ich Dir schönen Herbst ansag'. 
  • Wie Et. Egidi die Witterung ist, so soll sie vier Wochen lang bleiben. 
  • Wie sich's Wetter an Mariä Geburt thut verhalten, — So soll sich's weiter vier Wochen gestalten. 
  • Maria Geburt, — Ziehen die Schwalben furt. 
  • Mätthäi (21. September) Wetter hell und klar, — Bringt guten Wein im nächsten Jahr. 
  • So viel Fröste vor Wenzeslaus, — So viele nach Philippi Jacobi. 
  • Wenn die Zugvögel nicht vor Michaelis wegziehen, so deutet dies auf gelinde Witterung, wenigstens bis Weihnachten. 
  • So viel Reif und Schnee vor Michaelis, — So viel nach Walpurgis. 
  • Regen am St. Michaelis-Tag ohne Gewitter deutet auf einen milden Winter. 
  • Regnet's an diesem und am St. Gallus Tage nicht, so deutet's auf ein trockenes Frühjahr. 
  • Wenn Michael der Wind von Nord und Osten weht, — Ein harter Winter zu erwarten steht. 
  • St Michaelis Wein, — Süßer Wein Herrenwein. 
  • Zu Michaelis (29. September) Nord und Ost, — Bedeuten starken Winterftost. 
  • Regnet's sanft am Michaelistag, — So folgt ein milder Winter nach. 
  • Regnet's St. Michael und Gallus nicht , — Der Bauer sich trocknes Frühjahr verspricht. 
  • Viel Eicheln um Michaelis, — Viel Schnee um Weihnachten.
Quelle: Gustav Aldoph Jahn: Handbuch der Witterungskunde

Allgemeine Bauernregeln August

August. 


  • Was der August nicht kocht, — Wird der September nicht braten. 
  • Wenns im August stark thauen thut, — Bleibt auch gewöhnlich das Wetter gut.
  • August entspricht dem Februar, wie Juni dem December. 
  • Wie es im August wittert, so soll es auch den ganzen Herbst wittern. 
  • Starke Thaue im August verkündigen gutes Welter ; Mangel der selben aber Hitze, Gewitter und Frost. 
  • Nordwinde im August bringen beständig Wetter. 
  • Wenn im August die Sonne warm scheint, der Mond und die Sterne klar sind, so ist dies gut für die Weintraube, weil sie hiervon wohl reifet. 
  • Wenn sich im Anfange des August streifende Gewitter einstellen, so dauern sie gemeiniglich bis zu Ende desselben fort. 
  • Ist's in der ersten Augustwoche heiß, — So bleib't der Winter lange weiß.
  • Hitze am St. Dominicus (4. August), — Ein strenger Winter kommen muß. 
  • Um St. Laurenz (10. August) Sonnenschein, — Bedeutet ein gut Jahr mit Wein. 
  • Sind Lorenz und Bartel (24. August) schön, — Ist ein guter Herbst voraus zu sehn. 
  • Wie das Wetter an Cassian (13. Aug.), — Hält es mehrereTage an. 
  • Hat Unsere Frau gut Wetter, wenn sie zum Himmel fährt (15. Aug.), — Gewiß sie guten Wein bescheert. 
  • Himmelfahrt Mariä Sonnenschein, — Bringt guten Wein. 
  • Wie Bartholomäi-Tag sich hält, — So ist der ganze Herbst bestellt. 
  • Um Augustin (28. Aug.), — Ziehn Wetter hin.
Quelle: Gustav Aldoph Jahn: Handbuch der Witterungskunde

Allgemeine Bauernregeln Juli

Julius. 


  • Was der Juli nicht kocht, — Kann der September nicht braten. 
  • Juli entspricht dem Januar, wie Juni dem December. 
  • Wie der Juli, so der nächste Januar.
  • Regnets am Maria Heimsuchungs - Tag , — So regnet's noch vier Wochen darnach.
  • Regnet's an Unserer Frauen Tag (Heims. Maria) , — So regnet's nach einander vierzig Tag'. 
  • Am Margarethen-Tage, — Ist Regen eine Plage. 
  • Regnet's am Maria Magdalena-Tag (22. Juli), — Folgt stets mehr Regen nach. 
  • Vincenzen (l9. Juli) Sonnenschein, — Füllt die Fässer mit Wein. 
  • Ist's zu Jacobi (25. Juli) hell und warm , — Macht zu Weihnachten der Ofen arm. 
  • Warme helle Jacobi, kalte Weihnachten. 
  • Scheint die Sonn' am St. Jacobi-Tag, — Bringt im Winter die Kält' große Klag'. 
  • Ist es hell auf Jacobi-Tag, — Viel Früchte man sich versprechen mag. 
  • Wenn am St. Jacobi-Tage weiße Wölkchen bei Sonnenschein am Himmel stehen, sagt man: „Der Schnee blüht für den nächsten Winter." 
  • Werfen die Ameisen am Anna-Tag (26. Juli) höher auf, — So folgt zuverlässig ein harter Winter drauf. 
  • Hundstage hell und klar, — Deuten auf ein gutes Jahr; — Wer den Regen sie bereiten, — kommen nicht die besten Zeiten.


Quelle: Gustav Aldoph Jahn: Handbuch der Witterungskunde

Weitere allgemeine Bauernregeln Juni


  • Juni trocken mehr als naß, — Füllt mit gutem Wein das Faß. 
  • Nordwind im Brachmonat, — Weht Korn in's Land. 
  • Wenn kalt und naß der Juni war, — Verdirbt er meist das ganze Jahr.
  • Juni feucht und warm, — Macht den Bauer nicht arm. 
  • Donnert's im Juni, so geräth das Korn. 
  • Wenn im Juni Nordwind weht, — Das Korn zur Ernte trefflich steht. 
  • Ist es Corporis Christi (Frohnleichnams-Fest) klar, — Bringt es uns ein gutes Jahr. 
  • Wie's Wetter zu Medardi (8. Juni) fällt, — Es bis zu Mondes Schluß anhält. 
  • Wie's wittert am Medardus-Tag , — Bleibt es sechs Wochen lang darnach.
  •  Was Sanct Medardus für Wetter hält, — Solch Wetter auch in die Ernte fällt.
  •  Meiard' bringt keinen Frost mehr her, — Der dem Weinstock schädlich war'.
  •  Sanct Medard' keinen Regen trag', — Es regnet sonst wohl vier zehn Tag', — Und mehr, wer's glauben mag. 
  • Wie's Wetter an Medardi, — So in der Ernte. 
  • O, heiliger Veit (15. Juni), o, regne nicht ! — Daß es uns nicht an Gerst' gebricht. 
  • Regen am St. Vitus-Tag, — Die Gerste nicht vertragen mag. 
  • Regnet's am St. Barnabas (11. Juni), — Schwimmen die Trauben bis in's Faß.
  • Vier Tage vor und nach der Sommer-Sonnenwende zeigen die herrschende Witterung bis nach Michaelis an. 
  • Vor Johannistag (24. Juni), — Keine Gerste man loben mag. 
  • Wenn der Kukuk lang nach Johann! schreit, — Ruft er Miswachs und theure Zeit.
Quelle: Gustav Aldoph Jahn: Handbuch der Witterungskunde



Dienstag, 7. Mai 2013

Allgemeine Bauernregeln Juni

Juni. (Brachmonat)

Wie der Juni, so soll auch der December sein.

Juni trocken mehr, als naß
Füllt mit gutem Wein' das Faß.

Juni feucht und warm
Macht den Bauern nicht arm.

Wenn naß und kalt der Juni war
Verderbt er meist das ganze Jahr.

Zu viele und kalte Regen im Juni schaden dem Wein- und Bienenstock.

Donnert's im Juni, so geräth das Korn.

Nordwind im Juni weht Korn und Wein ins Land.

Wenn im Juni Nordwind weht,
Das Korn zur Ernte trefflich steht.

Im Juni ist die Erde recht von Gott gebenedei't;
Nun ist die rechte Kraut-, Saat-, Blum'- und Wurzelzeit:
Da Jedes seine Kraft und seinen Saft erweist,
Wofür es in der Welt bei Menschen ist gepreis't.
Nehmt darum selbige bei dieser Zeit in Acht!
Denn es wird Euch hierdurch viel' Nutzen eingebracht.
Die sich auf Kräuterei verstehn,
Die werden Tag und Stund' anseh'n,
Wann Jedes soll gewartet sein:
Das Eine will den Mondenschein,
Das And're will sein eingetragen
Recht zwischen Uns'rer Frauen Tagen.
Nehmt auch den Mond hier wohl in Acht!
Welch' Kraut hat nicht durch ihn was Macht?
Die ersten sieben Tage sein
Allein vor zarte Kinderlein.
Die andern sieben Tag' hieran
Geh'n Freier und Jungfrauen an.
Das dritte Theil von Mondenschein'
Soll vor abgehende Jahre sein.
Das letzte Theil voll Dunkelheit
Belangt die alten, kalten Leut'.
Der so sein Kraut versammeln wird,
Der hat hierinnen doctorirt.

Bauernregeln Mai nach Datum

1. Mai Philippus und Jacobus, der Jüngere,
Walpurgis, Aebtissinn.

Wenn sich die Krähe vor Maientag' im Korn' verstecken kann, so geräth es wohl.

Wenn es am Philippi- und Jacobitage reg'net, so soll ein fruchtbares Jahr folgen.

Regen auf Walpurgisnacht
Hat stets ein gutes Jahr gebracht.

Wenn es am 1. Maitag' reg'net, sind die Quitten gepflückt (D. h. in der Blüthe vernichtet)

Wenn es am 1. Mai reg'net, giebt es Eicheln in Fülle.

Wenn am 1. Mai Reif fällt, so ist ein fruchtbares Jahr zu hoffen.

Je später der Schlehenstrauch nach dem ersten Mai blüht, desto schlimmer steht's um Korn- und Heuernte.

3. Mai. Kreuzes Erfindung

(Die Franzosen nennen den 3. Mai scherzweise Croisset (von Sainte Crioix, Kreuztag) und den 9. Mai Colinet (von Saint Nicolas), und halten diese Tage für einflußreich auf den Weinbau.)

Wenn es am heiligen Kreuztag' reg'net, werden die Nüsse leer.

Wenn es am heiligen Kreuztag' reg'net, rechne nicht auf Deine Nüsse

6. Mai. Johann von der Pforte. 

bringt gutes Wetter, besonders wenn an diesem Tage Ostwind herrscht.

11. Mai. Mamertus. Gangolph.

Wenn es reg'net am Tage des heiligen Gangolph, werden die Schweine an Eicheln ihr Genüge haben.)

In Rußland deutet der 11. Mai, der Tag des heiligen Mokij, auf die Feuchtigkeit oder Trockenheit des ganzen Sommers.

12. Mai. Pankratius. 

Die drei Azius 1) ohne Regen,
Sind für die Winzer großer Segen.

 „Pan Serboni 2)" verbrennt die Bäume. (Czechen.)
(Weil die Tage dieser 3 Heiligen so kalt sein sollen, daß man heizen muß,)

Pankraz- und Urbanstag ohne Regen,
Folgt ein großer Weinsegen.

1) Azius lautet die Namensendung der drei Heiligen Pankratius (12. Mai), Lervatius (13, Mai) und Bonifacius (14. Mai), welche man in Deutschland „die drei gestrengen Herrn" nennt, weil man meistens Kälte von ihnen erwartet und da diese Kälte von kurzer Dauer ist, fügt man hinzu: „die gestrengen Herren regieren gewöhnlich nicht lange."
2) Die Czechen nennen diese drei Heiligen „die Eismänner" und haben aus den Anfangssilben ihrer Namen einen besonderen Herrn, den „Pan Serboni" gebildet. In den Niederlanden werden die drei Heiligen: Mamert (11. Mai), Pankraz (12. Mai) und Servaz (l3. Mai) „die Eisheiligen" genannt.
In Oberitalien nennt man diesen Nachwinter in der Mitte des Mais : „L'iuverno dei cavaIieri," den „Seidenwürmerwinter."

Pankraz und Urban ohne Regen, Bringt dem Weine großen Segen.

Pankratius holt seine Tuffeln (Pantoffeln) wieder.

13. Mai. Servatius. 

Vor Servatius kein Sommer, nach Servatius kein Frost. (Deutschland.)

Den St. Servatius begleitet St. Bonifacius.

Kein Reif nach Servaz; Kein Schnee nach Bonifaz. (Deutschland.)

15. Mai. Isidor. 

Ist Isidor vorbei,
Sind die Nordwinde vorbei. (Rußland.)

Um Maimitte — Winterschleppe.

In der Mitte des Mai
ist der Winter vorbei.

25. Mai. Urban, Papst. 

Danket St. Urban, unsrem Herrn;
Er bringt dem Getreide den Kern.

Wenn es um und nach Urbani gut' Wetter ist, und dann gegen den Veitstag (Vitus 15. Juni) etwas reg'net, soll es ein fruchtbares Jahr anzeigen.

Wenn Urbanus gut' Wetter und um Vitus viel Regen,
So bringt's im Felde sicher viel' Segen.

Scheint die Sonn' am Urbanstag',
Wird der Wein gut, wie ich sag'.

Scheint die Sonne am Urbanstage,
So wächst Wein, nach alter Sage;
Reg'net's aber, so nimmt er Schaden;
Weil die Erfahrung es gerathen.

Wenn es am St. Urbanstage reg'net, werden die Wein beeren ungleich groß, und die Lese wird sehr gering. (Maasthal.)

Wenn Sanct Urban kein gut' Wetter geit,
Wird er in die Pfützen geleit't.
(Süd-Deutschland.) (In Süd-Deutschland wurde ehemals das Bild des heiligen Urban festlich herumgetragen und dann in's Wasser geworfen, um schönes Wetter zu haben.)

26. Mai. Philippus. 

Wenn es an Philippi (26. Mai) reg'net,
bedarf der Arme des Reichen nicht.


(Quelle: Des Landwirth's Orakel)



Allgemeine Bauernregeln Mai

(Wonnemonat)

Der Mai wie der vergangene November.

Mai ist der schönste Monat im Jahre. (Mailand.)

Den Mai mnß man nehmen, wenn er kommt und kam' er um Weihnachten.

Kein Mai währt sieben Monate.

Ein Bienenschwarm im Mai
Ist werth ein Fuder Heu.
Aber ein Schwarm im Juni,
Der lohnte kaum der Müh'.

Ein Schwarm im Mai
Gilt ein Fuder Heu;
Ein Schwarm im Jun'
Ein fettes Huhn;
Ein Schwarm im Jul'
Kein' Federspul'.

Mai-Hafer —Kein Hafer.
Mai-Hirse — Kein Hirse.

Wenn der Mai ein Gärtner ist, ist er auch ein Bauer.

Will der Mai ein Gärtner sein,
er nicht in die Scheunen ein.

Maitag ein Rabe, Johannis ein Knabe.

Wenn im Mai die Laubfrösche knarren, Magst du wohl auf Regen harren.

Regen im Anfang' Maien
Thut den Reben dräuen.

Mairegen — Kei(n) Regen.

Auf nassen Mai Kommt trock'ner Juni herbei.

Gewitter im Mai bedeuten ein fruchtbares Jahr.

Viele Donner im Mai sollen große und heftige Winde nach sich ziehen.

Den Maien voll Wind Begehrt das Bauergesind'.

Im Mai fällt der meiste und nach dem halben Mai der gesundeste Thau.

Maienthau
Macht grüne Au.
Maienfröste
Unnütze Gäste,

Abendthau und Kühl' im Mai
Bringen Wein und vieles Heu.

Kühler Mai
Bringt Allerlei.

Ein kühler Mai
Gut' Geschrei.

Ein kühler Mai Bringt guten Wein und macht viel' Heu.

Ein kühler Mai und naß dabei
Bringt viele Frucht und gutes Heu.

Mai kühl und naß
Füllt den Bauern Scheu'r und Faß.

Der Maien kühl,
Brachmonat naß,
Füllen uns Scheunen und das Faß.

Maimond kühl und Brachmonat naß
Füllt den Boden und das Faß.

Der Mai geht um Feuer betteln. (Vasken.)

Wer einen guten Klotz hat, hebe ihn für den Mai auf! (Venedig.)

Im Monat Mai behalte den Mantel. (Insel Sardinien.)

Mai, lieber Mai! Ich laß Dir Deine Rosen und nehme mir den Pelz. (Basken.)

Gesundheitsregeln. 

Purgier', laß, und erfrisch' das Blut,
Auch sind nun warme Bäder gut.
Reut' all' das Unkraut aus dem Grunde,
Dies will des Maien Morgenstunde.

Frische Mai- und Junibutter
Ist ein sehr gesundes Futter,
So wird auch jetzt wohl verdaut
Karsch, Radies und Löffelkraut.

Es werden Viel' der Alt- und Kalten
Im Mai mit Honig' unterhalten;
Den Jungen aber, heiß von Blut',
Ist solche Speise nicht gar gut.

Freitag, 26. April 2013

Von meinem Blümchen - Hoffmann von Fallersleben

Von meinem Blümchen. 

Ward ein Blümchen mir geschenkt,
Hab's gepflanzt und hab's getränket.
Vögel, kommt und gebet Acht!
Gelt, ich hab' es recht gemacht?

Sonne, laß mein Blümchen sprießen!
Wolke, komm, es zu begießen!
Nicht empor dein Angesicht!
Liebes Blümchen, fürcht' dich nicht!

Und ich kann es kaum erwarten,
Täglich geh' ich in den Garten,
Täglich frag' ich: Blümchen, sprich!
Blümchen, bist du bös' auf mich?

Sonne ließ mein Blümchen sprießen,
Wolke kam es zu begießen;
Jedes hat sich brav gemüht,
Und mein liebes Blümchen blüht.

Wie's vor lauter Freuden weinet!
Freut sich, daß die Sonne scheinet.
Schmetterlinge, fliegt herbei,
Sagt ihm doch, wie schön es sei!

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Mittwoch, 24. April 2013

Ade zur guten Nacht. Fliegendes Blatt aus 1500

Ade zur guten Nacht.
Fliegendes Blatt aus 1500.

Der Mond der steht am höchsten.
Die Sonn' will untergehn. -
Mein Feinslieb liegt in Nöten.
Ach Gott. wie soll's ihr gehn.
In Regen und in Wind
Wo soll ich mich hinkehren.
Da ich mein Feinslieb find'!

Mein Feinslieb wollt' mich lehren.
Wie ich ihr dienen soll.
In Züchten und in Ehren;
Das weiß ich selbst gar wohl
Und kann auch noch viel mehr:
Wer sich sein's Buhlen rühmet.
Dem bringt es wenig Ehr'.

Mancher geht zu seinem Buhlen
Bei lichtem Mondenschein;
Was gibt sie ihm zum Lohne?
Ein Rosenkränzelein.
Ist grüner als der Klee.
Ich muß mich von dir scheiden.
Tut meinem Herzen weh.

Ach Scheiden über Scheiden.
Wer hat dich doch erdacht.
Hast mir mein junges Herze
Aus Freud' in Trauren bracht.
Dazu in Ungemach.
Dir ist's. schön's Lieb gesungen.
Ade zu guter Nacht.

Montag, 15. April 2013

Frühlingsgedichte

Frühling
Foto: pixabay

An die Natur. 

Ich hätte Lust dem Bächlein nachzulaufen:
Wo läufst du hin?
Ich hätte Lust dem Lüftchen nachzuschnaufen:
Wo schnaufst du hin?
Ich möchte mich in diese Schatten hauchen:
Ihr haucht so kühl!
Mich in die Wellen mit dem Fischlein tauchen:
Ihr taucht so kühl!
Dort mit dem Sonnenadler will ich fliegen
Der Sonne zu,
Und mit der Taube dort ins Nest mich schmiegen
Zur Wonneruh.
Ich fand, so oft ich mich in dich verloren,
Mich schöner nur:
Ich bin in dir, du bist in mir geboren,
Natur, Natur!

(Fr. Rückert)

Süße, heilige Natur,
Laß mich gehn auf deiner Spur,
Leite mich an deiner Hand
Wie ein Kind am Gängelband!

Wenn ich dann ermüdet bin,
Sink' ich dir am Busen hin,
Athme süße Himmelslust
Hängend an der Mutterbrust.

Ach, wie wohl ist mir bei dir;
Will dich lieben für und für,
Laß mich gehn auf deiner Spur ,
Süße, heilige Natur!

(Fr. v. Stollberg)

Sehnsucht nach dem Frühling. 

Komm lieber Mai und mache
Die Bäume wieder grün,
Und laß mir an dem Bache
Die kleinen Veilchen blühn!
Wie möcht' ich doch so gerne
Ein Veilchen wieder sehn:
Ach lieber Mai, wie gerne
Einmal spazieren gehn!

Zwar Wintertage haben
Wohl auch der Freuden viel,
Man kann im Schnee eins traben
Und treibt manch Abendspiel:
Baut Häuserchen von Karten,
Spielt blinde Kuh und Pfand,
Auch gibt's wohl Schlittenfahrten
Auf's liebe freie Land.

Doch wenn die Vögel singen
Und wir dann froh und flink
Auf grünem Rasen springen,
Das ist ein ander Ding!
Jetzt muß mein Steckenpferdchen
Dort in dem Winkel stehn,
Denn draußen in dem Gärtchen
Kann man vor Koth nicht gehn.

Am meisten aber dauert
Mich Lottchens Herzeleid;
Das arme Mädchen lauert
Recht auf die Frühlingszeit;
Umsonst hol' ich ihr Spielchen
Zum Zeitvertreib herbei,
Sie sitzt in ihrem Stühlchen
Wie's Hühnchen auf dem Ei.

Auch wenn's doch erst gelinder
Und grüner draußen war'!
Komm, lieber Mai! wir Kinder,
Wir bitten gar zu sehr;
O komm, und bring' vor allem
Uns viele Veilchen mit,
Bring' auch viel Nachtigallen
Und schöne Kuckucks mit!

(Nach Overbeck und M. Claudius)

Abendlieder und Abendgedichte

Abendheimgang.

So lang die Sonn' am Himmel steht,
Geh' ich nicht weg von den Buchen;
Eh zu Neste der Vogel geht,
Werd' ich mein Haus nicht suchen.
Die Sonne sank, es stammt der West,
Der Vogel zwitschert leis im Nest,
Leise zu Gottes Preise,
Dank, Dank für Trank und Speise,
Herz, danke du gleicherweise!

Nun will ich auch zu Bette gehn
Mit all der Tageswonne,
Und morgen wieder früh aufstehn
Mit dem Vogel der Sonne.
Die Sonne sank, es stammt der West,
Der Vogel zwitschert leis im Nest,
Leise zu Gottes Preise,
Dank, Dank, für Trank und Speise,
Herz, danke du gleicherweise.

Friedrich Rückert
(* 16. Mai 1788 in Schweinfurt; † 31. Januar 1866 in Neuses - heute Teil von Coburg)

Abendlied

Kommst, lieber Abend, wieder
Auf unsre kleine Flur;
Dir tönen unsre Lieder,
Wie schön bist du, Natur!

Schon steigt die Abendröthe
Herab in's kühle Thal,
Bald glänzt in sanfter Röthe
Der Sonne letzter Strahl.

Allüberall herrscht Schweigen;
Nur steigt aus unserm Chor
Hier unter grünen Zweigen
Ein Danklied noch empor.

Kommst, lieber Abend, wieder
Auf unsre kleine Flur;
Dir danken unsre Lieder,
Dir, Vater der Natur.

Matthias Claudius
( * 15. August 1740 in Reinfeld (Holstein); † 21. Januar 1815 in Hamburg)

Abend

Will nun schlafen gehen,
Liebes Bettchen mein:
Kann ja nichts mehr sehen
Mit meinen Augelein.

Meine Mutter decket
Mich so freundlich zu,
Gute Mutter wecket
Morgen mich aus der Ruh.

Vater und Mutter, beide
Kommen bald herein,
Seh'n an mir ihre Freude,
Schlafen mit mir ein.

Doch vom Himmel nieder
Noch ein Vater wacht,
Dessen Augenlieder
Schlummern keine Nacht.

Sieht auf all' die Seinen
Freundlich immer zu
Großen all' und Kleinen
Gibt er die süße Ruh.

Vater droben, siehe
Auf mich diese Nacht,
Nimm auch spät und frühe
Vater und Mutter in Acht!

Johann Wilhelm Hey (* 26. März 1789 in Leina; † 19. Mai 1854 in Ichtershausen)


Die Sonne hat uns gute Nacht gegeben,
Die Schafe ziehen heim in's stille Haus,
Kein Vogel mag den Flügel mehr erheben,
Sie schlafen alle und ihr Lied ist aus;
Nun leg' auch ich mich hin zur Ruh'
Und schließ die müden Augen zu.

Ich bin noch schwach, ich bin noch klein;
Du, guter Gott! wirst bei mir sein;
Dann furcht' ich nicht die finst're Zeit,
Ich weiß, mir widerfährt kein Leid;
Dann träum' ich, was auch kommen mag,
Von einem schönen, gold'nen Tag.

Link's Gedächtnißübung.


Gute Nacht.
Gute Nacht!
Hab' mich doch so müd gemacht.
Bin gelaufen, bin gesprungen,
Hab' gelernt, gelacht, gesungen,
Hab' es weiter heut gebracht —
Gute Nacht!

Gute Nacht!
Vöglein auch, das schläft schon sacht,
Und das Hühnchen in dem Stalle,
Und das Täublein ohne Galle
Ruhet süß, vom Traum umfacht:
Gute Nacht!

Gute Nacht!
Euch vor allen zugedacht,
Liebe Eltern, Schwestern, Brüder!
Morgen seh'n wir froh uns wieder,
So Gott will, der uns bewacht!
Gute Nacht!

(Autor unbekannt)

Abendlied. 

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schwelget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold,
Als eine stille Kammer,
Wo Ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt!

Seht Ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön:
So find wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder,
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinnste,
Und suchen viele Künste,
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns aufwärts schauen,
Auf nichts Verganglich's trauen.
Nicht Eitelkeit uns freu'n;
Laß uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder, fromm und fröhlich sein

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder,
Kühl ist der Abendhauch.
Verschon' uns, Gott, mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen
Und unsern kranken Nachbar auch.

(Claudius)

Mittwoch, 10. April 2013

Rätsel für Kinder

1. Sag' mir, wenn du's schon gesehen,
Wo die Gäns' im Wasser gehen!

2. Ein rothes Ställchen voll weißer Hühnerchen — was ist das?

3. Es kommt vom Leben, hat kein Leben, und kann doch jedem Antwort geben.

4. Oben eine Seele, Unten eine Seele, In der Mitt' ein Leder: Rath', mein lieber Peter!

5. Oben spitzig, unten breit, durch und durch voll Süßigkeit; weiß am Leibe, blau am Kleide, kleiner Kinder große Freude.

6. Zwei Ringelein, zwei Stängelein, ein Kästchen und ein Spieß — mein Kind, errathe dies!

7. Sage mir, Kindchen, wo ist das zu schau'n: Es bellt ein roth' Hündchen durch 'nen knöchernen Zaun?

8. Erst seh' ich weiß wie Schnee, dann bin ich grün wie Klee, dann werd' ich roth wie Blut und schmeck' allen Kindern gut.

9. S' hat Einer sechs Beine und geht nur auf vier' — Wen ich da wohl meine? Sag', Büblein, es mir!

10. Wer sagt mir gleich das Räthsel an. Wenn ich erzähl' von einem Hahn, der einen Stein im Munde tragt, womit er Blitz und Donner schlägt?

11. Es steckt ein Bündelein Heu auf der Stange; d'ran fressen zehn hungrige Schäflein so lange, bis alle Hälmchen verzehret sind. Was sind das für Schäfchen? — Ei, rathe, mein Kind.

12. Und hast du es errathen, so darfst du nicht vergessen: warum die weißen Schafe mehr als die schwarzen fressen.

13. Vier Jahr bleib' ich aus. Dann komm' ich nach Haus, und zeige mich wieder im Kreis meiner Brüder.

14. Hast schon oft den Hahn gesehen; nun, mein Kind, so rathe du: Warum macht der wohl bei'm Krähen immer seine Augen zu?

15. Verfertigt ist's schon lange Zeit, doch meistentheils gemacht erst hent; Sehr angenehm ist's seinem Herrn, und dennoch hütet's Niemand gern.

16. Der mich macht, der will mich nicht, der mich trägt, behält mich nicht; der mich kauft, der braucht mich nicht, der mich hat, der weiß es nicht.

17. Die Sonne kocht mich manchen Tag, eh' deine Hand mich brechen mag; und hat dein Finger mich gepflückt, und deine Sohle mich zerdrückt, so schlürft mich deine Lippe ein. Nun rathe schnell! Ich heiße: — ?

18. Mit Einem fährt, wer Geld will sparen. Mit Zwei'n kutschirt der Bürgersmann; der Edelmann spannt Viere an, mit Sechsen darf der König fahren. Nun sage mir, wer nach Belieben durch Stadt und Lande fährt mit Sieben!

19. Ich Hab' viele Hacker, doch nicht von Bein, die beißen gar wacker in die Knochen hinein. Die Knochen wachsen im grünen Wald in Schwaben und Sachsen. — Nun rathe mich halt!

20. Das Wasser, das helle, hol' ich von der Quelle; das Bier, das frische, trag' ich zu Tische; und Essig und Oel und Wein, ich schütte sie aus und ein.

21. Der arme Tropf hat keinen Kopf, das arme Weib hat keinen Leib; die arme Kleine hat keine Beine. Sie ist ein langer Darm, doch schlingt sie einen Arm bedächtig in den andern ein. Was mag das für ein Weiblein sein?

22. Es sitzt auf hoher Stange ein kleines rundes Haus; hinein führt keine Thüre, kein Fenster schaut heraus. Doch wohnen in den Stübchen, die eng und dunkel sind. viel kleine braune Bübchen — Nun rathe schnell, mein Kind!

23. Ich schwimme stets im Wasser frisch und bin doch weder Frosch noch Fisch; ich bin kein Vogel und doch geschwind dehn' ich die Flügel bei'm guten Wind ; ein Bote bin ich zu jeder Stund, und lauf' mir doch keine Füße wund. Und willst du alles wissen auch: Hab' Zucker und Kaffee im Bauch.

24. Thu' auf nun dein Mäulchen, sag', was ich ergreif': Ein eisernes Gäulchen mit flächsernem Schweif. Sieh', wie durch das Dunkel der Höhlen es schlüpft! Sieh, wie mit Gefunkel In die Lüfte es hüpft! Und willst du es führen, So faß es klug an, sonst wirst du gleich spüren seinen spitzigen Zahn!


Auflösung der Räthsel.
17) Der Wein. 9) Der Reiter. 21) Die Brezel 5) Der Zuckerhut. 13) Der Schalttag. 1) Wo es nicht tief ist. 18) Der Siebmacher. 10) Der Hahn am Gewehr 22) Der Mohnkopf. 6) Die Lichtputze. 14) WeiI er seinen Gesang auswendig weiss. 2) Der Mund mit den Zähnen. 19) Die Säge. 11) Die zehn Finger der Spinnerin. 23) Das Schiff. 7) Die Zunge zwischen den Zähnen. 15) Das Bett 3) Die Schreibfeder. 20) Der Krug. 12) Weil es mehr weisse gibt. 24) Nadel und Faden. 8) Die Kirsche. 16) Der Sarg. 4) Reiter, Pferd und Sattel


Quelle: Alte und neue Kinderlieder, Fabeln und Räthsel
aus dem Jahr 1842

Sonntag, 7. April 2013

Sprüche bekannter Personen - Teil 6


Freue des Augenblicks dich, und laß die Wünsche dem Thoren!
Dem Bescheidnen wird über sein Bitten gewahrt.
Fernow.

Glück ist der Klugheit Loos, Der Weisheit Loos ist Freude,
v. Göckingk.

Wenn du des Lebens Sinn gefunden.
Vergebens war dein Wirken nicht.
Schreiber.

Wer, seine Freiheit zu erretten,
Der Tugend sanfte Bande löst,
Den schließt mit zehnfach stärkern Ketten
An seinem Joch das Laster fest.
Drum lerne selbst dich überwinden!
Dieß ist der Tugend schönste Pflicht.
Nie wirst du Ruh' auf Erden finden,
Bezähmst du deine Triebe nicht.
Gallisch.

Groß kann man sich im Glück, erhaben nur im Unglück zeigen.
v. Schiller.

Nicht an die Güter hänge dein Herz,
die das Leben vergänglich zieren.
Wer besitzt, der lerne verlieren; wer im Glück ist,
lerne den Schmerz.
v. Schiller.

Der Biedermann säet noch lange nach seinem Leben eine unendliche Saat des Schonen und Guten aus; wo er ist, ja wo er war, erbleicht das feige Verbrechen und zittert die unreine Begierde
E. M. Arndt.

Alles trennet der Tod; Liebende ziehet er nach.
v. Herder.

Lieb' ist die Leiter zum Himmel, und wie der vom Himmel zur Erde;
auf und niederwärts führt ewig ihr wechselnder Weg.
Liebe, sie hebt uns empor zu der Götter heiligen Freuden,
und zur irdischen Lust führt sie die Götter herab.
Gramberg.

Nur die Weisheit ist ewig.
Sie wird auf Erden noch siegen,
und nach langem Tumult Menschen zur Menschheit erhöh'n.
Gedike.

Erbitte von den Göttern dir Verständigt
und Wohlgesinnte zu Gefährten.
Beleid'ge nicht das Glück durch Thorheit, Uebermuth;
der Jugend Fehler wohl begünstigt es,
doch mit den Jahren fordert's mehr.
v. Goethe.

Sprüche bekannter Personen - Teil 5


Nie auf Felsengrund gestellt
Sind die Leiden dieser Welt,
Denn sie wechseln mit den Freuden.
Unzer geb. Ziegle

Reich an Freuden ist das Leben,
Und des Vollgenusses werth;
Wenn uns Fried' und Ruh umschweben.
Innrer Adel uns verklärt;
Wenn wir lernen zu entbehren,
Wo Entbehrung wird Genuß,
Deine Blüthen. nicht zerstoren.
Reiner Freuden Genius!
Conz.

Nur am Stamme der Entsagung
Blüht, selbst mit dem Sturm versöhnt,
Uns ein Kranz, der dauernd krönt.
Wohl der Seele, die zur Tragung
Ihrer Bürd' an ihn sich lehnt!
So geht der bescheidne Weise
Heftige Hände zerdrücken die süßesten Beeren der Traube,
Ach! und verwischen den Duft , welcher sie lieblich bethaut.
Starke.

Eins nur, Freundin, Seelengröße,
Giebt dem Menschen Werth und Ruh!
Keine Schönheit deckt die Blöße
Mißgeschaffner. Seelen zu.
Freih. v. Spiegel.

Wer Engel sucht in dieses Lebens Gründen,
Der findet nie was ihm genügt;
Wer Menschen sucht, der wird den Engel finden,
Der sich an seine Seele schmiegt.
Tiedge

Das junge Leben wird durch deinen Reiz erhöhet,
O Freundschaft ! — von der Menge oft verkannt, —
Und ferne Hoffnungen, erwärmt von deiner Hand,
Gehn schöner auf von deinem Hauch um wehet,
Lacht himmlischer vor uns der Zukunft Zauberland.
Conz.

Die Stunden sind verloren,
Die wir der Lust nicht weihn;
Zum Glück sind wir geboren!
Drum laßt uns glücklich seyn.
Freih. v. Cronegk.

Nichts begleitet uns hinüber,
Nichts, als der gute Schatz, den wir in unser Herz
Gesammelt, Wahrheit, Lieb' und innerlicher Frieden,
Und die Erinnerung, daß weder Lust noch Schmerz
Uns je vom treuen Hang zu unsrer Pflicht geschieden.
Wieland.

Fortuna spielt mit allen unsern Sorgen:
Der Lust folgt Traurigkeit.
Der Weise trauet nie dem ungewissen Morgen,
Und braucht das kurze heut.
Freih. v. Cronegk.

Schon ist's , von allen anerkannt, -
Sich allgeliebt zu sehn;
Doch schoner noch, auch ungenannt,
Wohlthätig fest zu stehn.
v. Herder.

Nur wer zu sterben weiß, kann stets zufrieden leben!
Die wahre Freude nur, nach der die Weisen streben,
Versüßt dem Sterblichen die Reise durch die Zeit,
Und folgt, unsterblich selbst, ihm zur Unsterblichkeit.
Uz

Der Geist gedeiht durch Weisheit.
Und das Herz gedeiht durch Schönheit;
Dieser Einklang rauscht in Stärke,
Dieser Adel führt zum Ziele
Dauernder Glückseligkeit
Bürger.

Liebe ist die Leiter, worauf wir emporklimmen zur Gottähnlichkeit.
Ohne Anspruch, uns selbst unbewußt, zielen wir dahin.
v. Schiller

Brauche deine Jugend,
Jüngling! Lust und Tugend
Können Schwestern seyn,
Jahre ziehn, wie Blicke,
Graues Haar und Krücke
Brechen schnell herein.
Lichtwehr.

Die Freundschaft ist die heiligste der Gaben;
Nichts Heiligers konnt' uns ein Gott verleihn,
Sie würzt die Freud' und mildert jede Pein,
Und einen Freund kann jeder haben,
Der selbst versteht ein Freund zu seyn.
Tiedge.

Samstag, 6. April 2013

Sprichwörter - Lachen


pixabay
  • Im Lachen, lachend, sagt der Narr die Wahrheit. 
  •  Am Lachen und Blarren erkennt man die Narren. 
  • Die Araber behaupten, der welcher viel und laut lache, sei dumm. (Cahier, 2420.) 
  • An vielem Lachen erkennt man ein gutes Lustspiel. (Dresdner Nachrichten, 1868.) ­­
  • „Auf lachen folget oftmals greinen.“ 
  • Dass man vorher lacht, muss man oft hernach beklagen.
  • Aus Lachen wird oft Weinen. Es ist vom leichtsinnigen Lachen die Rede, das, wie die Hebräer sagen, zur Schande führe. 
  • Der eine lacht einen guten Käs an, der andre fällt dafür in Ohnmacht
  • Der heut’ lacht, wird morgen weinen. 
  • Die gern lachen, weinen auch gern. Die Turken: Wer viel lacht, weint auch viel. 
  • Die lachen am Morgen, weinen gemeiniglich am Abend. 
  • Die meisten haben gelacht und alle haben geweint.
  • Durch viel lachen kennet man einen Narren.
  • Es ist bös lachen, wenn einem das Messer an der Kehle sitzt. 
  • Es ist ein böses (schlimmes) Lachen, wobei ein anderer weint. 
  • Es ist so leicht gelacht, wie geschrien.
    pixabay
  • Es lachen nicht alle, die das Maul breit machen.
  • Es lachen viele, die Dukaten weinen möchten. 
  • Es lacht mancher, der beissen möchte (will). 
  • Es lacht mancher, der lieber weinen möchte.
  • Man lacht nie so stark (so laut, so lange), als wenn man seinen Schmerz verbergen will. 
  • Es lacht mancher, der noch weinen soll. ­
  • Jeder lacht in seiner Weise. Nach dem italienischen Astronomen 
  • Lachen des Morgends, des Abends weinen. -
  • Lachen ist gesund. 
  • Lachen kann ein Kaufmann nicht, wenn Unglück ihn und Schifbruch trifft. 
  • Lachen und verlacht werden sind Nachbarn.
  • Lachen und Weinen sind in Einem Sack.
  • Er lacht selbst das Beste davon herab.
  • Er lacht sich buckelig (scheckig, krank). 
  • Er lacht sich die Faust voll.
  • Er lacht sich die Haut (den Buckel) voll. 
  • Er lacht sich einen Buckel, so gross wie eine Hundehütte.
  • Er lacht wie ein Esel, den der Wolf im Busche grüsst. (Ironische Bezeichnung des Schreckens, der Furcht, der Angst.) 
  • Er lacht wie ein hölzerner Fuchs.

Kinderreime und Kinderlieder

 (Wenn's Kind verdrießlich ist.) 

Zürnt und brummt der kleine Zwerg,
Nimmt er Alles überzwerch:
Den Ofen für ein Bierglas,
Den Mehlsack für ein Weinfaß,
Den Kirschbaum für einen Besenstiel,
Den Flederwisch für 'ne Windmühl,
Die Katz für eine Wachtel,
Das Sieb für eine Schachtel,
Das Hackbrett für einen Löffel,
Den Hansel für den Stöffel.
(Weikert's Kindergärtlein)


Trostliedchen. 

Mein Kindlein ist klein,
Das bild't sich viel ein,
Jetzt mag es mich nimmer,
S'muß aber nicht sein.
(Mündlich)

Es kam ein Herr zum Schlößchen 

Auf einem schönen Rößchen,
Da sah die Frau zum Fenster naus,
Und sprach: der Mann ist nicht zu Haus.

Und niemand da als Kinder
Und Mädchen in der Windel!
Der Herr auf seinem Rößchen
Sprach drauf zur Frau im Schlößchen:

Sind's gute Kinder, sind's böse Kinder?
Ach, liebe Frau, ach, sagt geschwinder!
Die Frau, die sagt: Sehr böse Kind,
Sie folgen der Mutter nicht geschwind!

Da sagt der Herr: So reit' ich heim,
Dergleichen Kinder brauch' ich kein!
Und ritt auf seinem Rößchen
Weit, weit hinweg vom Schlößchen.
(Wunderhorn).


Wie das Häschen mit dem Stumpfnäschen und weißen Röckchen und rothen Söckchen am Pföstchen im Nestchen sitzt und endlich davon läuft.


Schaut, was sitzt denn dort im Gras
Ei der Daus, der Haas, der Haas!

Guckt mit seinem langen Ohr
Aus dem grauen Nest hervor,

Hüpft mit seinem schnellen Bein
Über Stock und über Stein.

Kommt ihr Kinderchen und schaut
Wie das Nest er hat gebaut

Ei! wie schön von Gras und Heu
Und wie, lind von Moos und Spreu.

Laß doch schauen was im Nest
Liegt so kugelrund und fest,

Eier, blau und grün und scheckig
Eier, roth und gelb und fleckig.

Häslein in dem grünen Wald
Bin dir gut und dank dir halt.

Häslein mit dem langen Ohr
Dank dir tausendmal davor.

Häslein mit dem schnellen Bein
Sollst recht schön bedanket sein.

Nächste Ostern bringt die Mutter
Wieder dir ein gutes Futter,

Daß du möchtest unsertwegen
Wieder so viel Eier legen.

(Güll)

Wiegenlieder

Der Sandmann.

Zwei feine Stieflein hab' ich an.
Mit wunderweichen Söhlchen dran.
Ein Säcklein hab' ich hinten auf.
Husch! komm ich rasch die Trepp' herauf.
Und wenn ich in die Stube tret'.
Die Kinder beten das Abendgebet.
Von meinem Sand zwei Körnlein
Streu' ich in ihre Aeugelein;
Da schlafen sie die ganze Nacht
In Gottes und der Engel Wacht.
Den frommen Kindern soll gar schön
Ein froher Traum vorübergehn.
Nun risch und rasch mit Sack und Stab
Nun wieder jetzt die Trepp' hinab.
Ich kann nicht länger müßig stehn.
Ich muß heut' noch zu Vielen gehn.
Da nicken sie schon und lachen im Traum
Und öffnete doch mein Säcklein kaum!

H. Kletke.
(* 14. März 1813 in Breslau; † 2. Mai 1886 in Berlin)

Eia, popeia, schlaf' balde,

Die Vögelein fliegen im Walde.
Sie fliegen den Wald wohl auf und nieder
Und bringen dem Kinde den Schlaf bald wieder.
Ei Ein. popeia.
(Köhlers Mutterschule)

Thu' zu Guckäuglein. mein Kind.

Denn draußen weht ein arger Wind!
Will nun mein Kind nicht schlafen ein.
So bläst er in dein Bett herein.
Bläst alle Federn dir heraus.
Und endlich gar die Augen aus!
(Lenz Großmutter und Enkel)

Schlaf mein Kindchen, sieben Stund'.

Bis der Vater wiederkommt!
Vater ist in Wald gegangen.
Will dem Kind ein Vögelchen fangen.
(Liederbuch des deutschen Volkes)


Wer hat die schönsten Schäfchen?

Die hat der goldne Mond,
Der hinter unsern Bäumen
Am Himmel drüben wohnt.

Er kommt am späten Abend,
Wann Alles schlafen will,
Hervor aus seinem Hause
Zum Himmel leis und still.

Dann weidet er die Schäfchen
Auf seiner bunten Flur;
Denn all die weißen Sterne
Sind seine Schäfchen nur.

Sie thun sich nichts zu Leide,
Hat eins das andre gern,
Und Schwestern sind und Brüder
Da droben Stern an Stern.

Und soll ich eins dir bringen,
So darfst du niemals schrei'n,
Mußt freundlich wie die Schäfchen
Und wie ihr Schäfer sein!
(Hoffmann v. Fallersleben)

So schlaf in Ruh !

Die Zeitlos' und die Tulpe nickt,
Auf daß der Schlaf sie auch erquickt.
Die Äuglein zu!
Mein Kinolein du,
Nun schlaf in Ruh!

So schlaf in Ruh'
Die Lämmlein sind jetzt müd' und satt,
Sie suchen ihre Lagerstatt.
Die Äuglein zu!
Mein Kindlein du,
Nun schlaf in Ruh!

So schlaf in Ruh!
Der Vogel stiegt zum Dornenstrauch:
„Jetzt ist es Nacht, drum schlaf ich auch."
Die Äuglein zu!
Mein Kindlein du,
Nun schlaf in Ruh!

So schlaf in Ruh!
Die Sterne leuchten hell und klar,
Es kommt von dort der Engel Schaar.
Die Äuglein zu! Mein Kindlein du,
Nun schlaf in Ruh!

So schlaf in Ruh!
Es kommt auch einer her und wacht,
Mein Kind, bei dir die ganze Nacht.
Die Äuglein zu!
Mein Kindlein du,
Nun schlaf in Ruh!

So schlaf in Ruh!
Er breitet seine Flügel aus,
Und singt: Gott segne dieses Haus!
Die Äuglein zu!
Mein Kindlein du,
Nun schlaf in Ruh!

(Hoffmann von Fallersleben)

Wann die Vögel mit Gesange
Froh begrüßen Wies und Wald,
Hell von ihrer Stimme Klange
Wald und Wiese wiederhallt;
Auf den Gruß der Vögel springen
Blümlein dann wie aus der Nacht,
Und der Sonne Strahlen bringen
Ihnen Duft und Farbenpracht.

Wann die Vögel mit Gesange
Froh begrüßen Wies' und Wald,
Hell von ihrer Stimme Klange
Wald und Wiese wiederhallt;
Knäblein, wachs in solcher Wonne,
Wie die Blum' an Sonn' und Klang!
Mutteraug' ist deine Sonne,
Mutterstimme dein Gesang.

(Hoffmenn von Fallersleben)

Nun gute Nacht!
Du hast für heut genug gelacht,
Doch hast du auch geweint gar sehr,
Als ob dir Leids geschehen war'.

Das kann nicht sein!
Drum, liebes Kind, schlaf ruhig ein.
Was deiner Mutter widerfuhr,
Das war dein ganzes Leiden nur.

So schlaf denn ein!
Die Wieg' ist deine Welt allein.
Drin Sonn' und Mond nicht untergehn,
Noch Wolken ziehn und Winde wehn.

Das kennst noch nicht,
Und kennst, mein Kind, gar vieles nicht;
Doch weißt genug, wenn Eins du weißt,
Was Vater und was Mutter heißt.

(Hoffmann von Fallersleben)

Alles still in süßer Ruh,
Drum mein Kind, so schlaf auch du!
Draußen säuselt nur der Wind:
Su susu! schlaf ein mein Kind!

Schließ du deine Äugelein,
Laß sie wie zwei Knospen sein!
Morgen wenn die Sonn' erglüht,
Sind sie wie die Blum' erblüht.

Und die Blümlein schau' ich an,
Und die Äuglein küss ich dann:
Und der Mutter Herz vergißt,
Daß es draußen Frühling ist.

(Hoffmann von Fallersleben)

Die liebe Sonne sinket nieder,
Schon säuselt's kühl durch Wald und Feld,
Der Abendstern verkündet wieder
Den süßen Schlaf der müden Welt.

An Halmen, Blättern, Sommerlatten
Wird's still und stiller allgemach,
Und jedes sucht im Dämmerschatten
Ein grünumwölbtes Wetterdach.

Im Blumenkelche will die Biene,
Der Laubfrosch auf dem Blatte ruh'n,
Der Falter an der Balsamine,
Am Rosenzweig das Gotteshuhn.

Du darfst um deine Lagerstätte,
Mein Kind, noch nicht bekümmert sein!
Wenn ich auch keine Wiege hätte,
Auf meinen Armen schliefst du ein.

(Hoffmann von Fallersleben)

Die Ähren nur noch nicken,
Das Haupt ist ihnen schwer,
Die müden Blumen blicken
Nur schüchtern noch umher.

Da kommen Abendwinde,
Still wie die Engelein,
Und wiegen sanft und linde
Die Halm' und Blumen ein.

Und wie die Blumen blicken,
So schüchtern blickst du nun,
Und wie die Ähren nicken,
Will auch dein Hauptlein ruh'n.

Und Abendklänge schwingen
Still wie die Engelein
Sich um die Wieg' und singen
Mein Kind in Schlummer ein.

(Hoffmann von Fallersleben)


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